Ich weiß, wovon ich spreche
Mein Name ist Doris Waldhäusl. Ich lebe seit fast 30 Jahren am Steinbacherhof im Weinviertel mit zwölf Pferden. Ich bin Sozialpädagogin, Therapeutin — und seit 40 Jahren täglich mit Pferden zusammen.
An meiner linken Hand fehlen mir die Finger. Seit der Geburt.
Das klingt vielleicht nach einer Schwäche. Aber in Wahrheit ist es der Ursprung von allem, was ich heute tue. Ich konnte nie mit Kraft arbeiten. Ich konnte nie einen Zügel festhalten — das Pferd musste nur einmal mit dem Kopf zucken, und der Zügel war aus meiner Hand draußen. Ich musste einen anderen Weg finden.
Ich hatte das perfekte Argument dafür, weil es mir sowieso nicht gelegen hat. Dieses ganze Gerede von „Du musst der Chef sein, du musst dem Pferd sagen, dass es gehorchen muss” — das hat mich von Anfang an abgestoßen. Also habe ich etwas anderes probiert. Ich habe versucht, auf der Beziehungsebene mit dem Pferd zusammenzukommen. Versuch und Irrtum. Stundenlang. Jahrelang.
Und dann kam Cindy. Mit 14 war ich ziemlich zornig, fertig mit der Welt. Und Cindy war mindestens so zornig und verletzt wie ich. Wir haben uns gegenseitig geheilt. Wir haben uns beigebracht, dass man ganz im Frieden miteinander sein kann.
Innerhalb von eineinhalb Jahren konnten wir ohne Sattel und Zaumzeug einfach alles machen. Wir konnten ausreiten. Wir konnten Quadrillen mitreiten — mit zwölf anderen Pferden in der Halle, ohne Sattel, ohne Zaumzeug. Einfach, weil wir eine derartige Verbindung bekommen haben.
Ich habe aus dieser Not eine große Tugend gemacht. Und ein Geschenk gefunden. Ich habe gelernt, was die meisten Menschen in der Pferdewelt nie lernen: dass Pferde keinen Chef brauchen, der sie zwingt. Dass sie jemanden brauchen, der ihnen zuhört — der ihnen die Sicherheit gibt, die sie brauchen, um Pferd sein zu dürfen.
Der Gegensatz zum Pferdeflüsterer ist der Pferdezuhörer.
Und genau das bringe ich dir in den Nüsterngesprächen bei.
Doris WaldhäuslDipl. Soz. Päd. · 40 Jahre mit Pferden · Steinbacherhof